Wie belichtet man richtig?

Die Blende

Kurzfassung

Mit Blende bezeichnet man eine (meist variable) Öffnung im Objektiv.
Die Größe dieser Blendenöffnung wird als Zahlenwert angegeben, indem man den Durchmesser der Öffnung in ein Verhältnis zur Brennweite des Objektivs setzt. Jede Vergrößerung der Öffnung der Blende (d. h.: Verkleinerung der Blendenzahl) um einen Wert lässt doppelt so viel Licht auf den Aufnahmesensor/Film. Durch das Einstellen der Blende im Verhältnis zur Belichtungszeit wird die Belichtung gesteuert

Ausführlich:

Die Blende ist die zweite Möglichkeit, die Lichtmenge, die auf das Aufnahmemedium fallen soll, zu regeln. Hierzu verwendet man eine variable Öffnung (kleine Öffnung, wenig Licht/große Öffnung, viel Licht).
Wenn Sie also ein Foto mit einer bestimmten Belichtungszeit wollen und diese deshalb nicht zur Anpassung an die Lichtverhältnisse ändern möchten, können Sie die Belichtung auch durch eine Veränderung der Blende regeln. Die Größe dieser Blendenöffnung wird als Zahlenwert angegeben, indem man den Durchmesser der Öffnung (genauer: die Eintrittspupille) in ein Verhältnis zur Brennweite setzt.
Manche "moderne" Kameras haben keinen Blendenring mehr, sondern zeigen die eingestellte Blende in einem Display an. Die Blende wird dann z. B. an einem Daumenrad auf der Kamerarückseite eingestellt.
Für einen Anfänger ist die ältere Lösung normalerweise einfacher zu begreifen, da man alle Blendenzahlen in der richtigen Reihenfolge am Objektiv gleichzeitig überblicken kann. Doch man kann es auch mit einem Display lernen. In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie verstehen, was die Blendenzahl bedeutet. Und dazu ist es sinnvoll zu lernen, wie sie entsteht.

Auf dem Objektiv kann man die Brennweite ablesen (hier eine Festbrennweite von 35mm) und die größtmögliche Blendenöffnung, die man auch als Lichtstärke bezeichnet. In dem Fall hier ist das die Blende 2 (1:2).
In der Mitte kann man die Blendenöffnung (klein, es ist Blende 22) erkennen, darum herum die Blendenlamellen.

Die Blendenzahl
Ein Rückblick auf die Lochkamera zeigt, dass bei einer längeren Lochkamera weniger Licht auf eine bestimmte Aufnahmefläche trifft.
Wenn bei geänderter Länge das Belichtungsloch seine Größe beibehält, fällt zwar die gleiche Lichtmenge in die Kamera, aber bei einer längeren Kamera wird das Bild größer.
Also verteilt sich das Licht auf eine größere Bildfläche/Filmfläche. Auf jeden einzelnen Quadratzentimeter Film oder Sensor kommt dann natürlich weniger Licht.
Auch wenn man anstelle der Lochkamera eine "normale" Kamera mit Objektiv einsetzt, bleibt es bei diesem Verhältnis. Je länger ein Objektiv ist (dabei geht es hier und im folgenden in der Regel nicht um seine reale Baulänge, sondern um die Länge seiner Brennweite), desto weniger Licht fällt auf den Sensor (bei gleicher "Lochgröße").

Da also die Länge der Lochkamera bzw. des Objektivs einen Einfluss auf die Lichtmenge hat, wird nicht nur der Durchmesser der Öffnung, sondern auch die Länge des Objektivs bei der Blendenangabe berücksichtigt.
Gäbe die Blendenzahl stattdessen nur den Durchmesser der Öffnung an, fiele bei "Blende 2 cm" bei einem langen Objektiv weniger Licht auf den Sensor/Film als bei einem kurzen Objektiv. Dadurch wären die Blendenwerte verschiedener Objektive nur noch schwer zu vergleichen.
Deshalb beschreibt die Blendenzahl die relative Öffnung, das Verhältnis zwischen dem Durchmesser der wirksamen Blendenöffnung und der Brennweite . Bei Blende 2 ist die Öffnung also so groß, dass sie (ihr Durchmesser) zweimal auf die Länge passt. Bei Blende 22 ist sie so klein, dass sie 22-mal auf die Länge des jeweiligen Objektivs passt.

Blende 2

Blende 4

Blende 8

So gelangt bei gleicher Blendenzahl immer gleich viel Licht auf den Sensor/Film, egal welches Objektiv Sie benutzen.
Eine kleine Blendenzahl beschreibt eine große Öffnung und somit viel Licht auf dem Sensor/Film. Viele Menschen haben Schwierigkeiten zu verstehen, warum die kleinere Zahl mehr Licht bedeutet. Ich hoffe, Ihnen ist das jetzt klar.

Die Blendenreihe
Die Reihe der Blendenzahlen ist genormt. Sie geht an vielen Normalobjektiven von 2.0 bis 22. Allerdings gibt es auch größere und vor allen Dingen auch kleinere Öffnungen.

Die Blendenreihe

Wenn Sie die Reihe aufmerksam betrachten, sehen Sie, dass sich die Zahlen im Wechsel verdoppeln bzw. halbieren. 2 wird zu 4 zu 8 zu 16 (zu 32 …), und 2.8 wird zu 5.6 zu 11 zu 22 (zu 44 …). Zu wissen, wie diese Reihe aufgebaut ist, kann bei der Belichtungsmessung (z. B. für Lochkameras) hilfreich sein.
Bei jeder Änderung der Blende um einen vollen Wert wird die Lichtmenge halbiert bzw. verdoppelt. Jedes Schließen der Blende um einen vollen Wert (also z. B.: von 2 auf 2.8 oder von 11 auf 16) ergibt eine Halbierung der Lichtmenge. Umgekehrt ergibt ein Öffnen der Blende um einen Wert (z. B.: von 11 auf 8 eine Verdopplung der Belichtung).
Sie können bei einer Blendensteuerung am Objektiv oft auch jeden Zwischenwert einstellen (auch dann, wenn nur die "vollen Blenden" an Ihrem Objektiv einrasten).

Halbe und Drittel-Blenden Hier sehen Sie die Zwischenwerte der Blendenreihe . Früher wurden sie nicht angezeigt, aber im Zeitalter der Displays kann man an vielen (Digital-)Kameras diese Angaben finden.

Halbe und Drittel-Blendenwerte
Über diese Werte hinaus können Sie an Ihrer Kamera aber auch (zumindest bei den Modellen mit einem Blendenring am Objektiv) die Blende auf jeden beliebigen Zwischenwert stufenlos einstellen. Das Einrasten soll nur eine Erleichterung bei der Blendenwahl sein. Auch wenn eine Einstellung nicht einrastet, wird sie wirksam.

An Kameras, bei denen die Blende elektronisch vorgewählt wird, also über Tasten oder Rädchen am Kameragehäuse, ist die Einstellung nur in den angezeigten Stufen möglich. Im Blendenautomatikbetrieb regeln aber auch diese Kameras die Blende zumeist ebenfalls stufenlos.
Die Anzeige ist dann trotzdem gestuft und zeigt nur den nächsten vollen oder halben oder Drittel-Wert an.

01

Eine Regelung der Belichtung kann also über die Blende theoretisch viel exakter als eine Regelung über die Zeiteinstellung sein. In der Praxis spielt das allerdings meist nur eine untergeordnete Rolle, denn selbst bei kritischen Diabelichtungen (an Dias kann nachträglich die Helligkeit nicht mehr beeinflusst werden) reicht eine Einstellgenauigkeit auf 1/ 3 oder gar ½ Blendenstufe normalerweise aus.
Sehr unglücklich finde ich aber die Art der Angaben. Die vielen auf den Displays moderner Kameras angezeigten Werte verwirren (nicht nur) den Anfänger. Was bedeutet eine Angabe wie Blende 13 im Verhältnis zu Blende 8? Ohne eine Übersichtsskala ist das schwierig zu beurteilen, man müsste tatsächlich alle Zahlenwerte lernen (oder am Display die Werte "durchscrollen").
Hier kann man sehr schön sehen, wie anschaulich und verständlich selbst eine Anzeige in 1/10tel Stufen sein kann, wenn man sich ein paar Gedanken macht und auf zuviele Zahlenwerte verzichtet.


Viel leichter wäre es, statt der Blendenwerte 11, 13, 14, 16 die Angabe 11, 11 1/3, 11 2/3, 16 zu verwenden. Dann müsste man sich nur die Reihe der klassischen "vollen" Werte merken. Aber das wird sich wohl so bald nicht ändern.