Wie belichtet man richtig?

Objektmessung /Nachführmessung

Kurzfassung

Bei der Objektmessung wird das vom Motiv (Objekt) ausgehende bzw. reflektierte Licht gemessen. Sie führt bei durchschnittlichen Motiven auf einfache Art zu guten Ergebnissen. Deshalb ist sie die am häufigsten verwandte Methode der Belichtungsmessung und die meisten Kameras mit eingebautem Belichtungsmesser nutzen sie.

Ausführlich:

Die Objektmessung ist die am meisten eingesetzte Methode der Belichtungsmessung . Alle in die Kamera eingebauten Belichtungsmesser arbeiten nach diesem Prinzip. Bei vielen Aufnahmen ist das ganz problemlos. Leider aber nicht immer. Darauf komme ich in der Folge dieses Kapitels noch zurück.

Nachführmessung
Wenn Sie auf die Belichtungsautomatiken verzichten wollen (und dazu gibt es gute Gründe), müssen Sie die Belichtung anhand des Messergebnisses von Hand einstellen. Dazu wird in den meisten Fällen die Nachführmessung zum Einsatz kommen. Die in den Kameras eingebauten Belichtungsmesser zeigen nämlich bei manueller Belichtungseinstellung das Messergebnis oft nicht direkt an. Vielmehr wird es in Form der Abweichung von den zurzeit gerade eingestellten Werten für Zeit und Blende angezeigt.
Der Fotograf kann dann in der Folge diese Werte so lange ändern, bis ihm der Belichtungsmesser "grünes Licht" gibt.
Diese Form der Messung/Einstellung ist bei Kameras mit eingebautem Belichtungsmesser am weitesten verbreitet. Die Belichtungswerte werden dabei der Anzeige nachgeführt, deshalb spricht man von Nachführmessung.
Der Fotograf wählt dazu zuerst nach seinen gestalterischen Überlegungen entweder seine Wunschbelichtungszeit oder die Wunschblende vor. (Zu den damit verbundenen unterschiedlichen Auswirkungen können Sie weiter hinten im Kapitel "Was soll ich einstellen" und im Themenbereich "Gestaltung" Hinweise finden.) Dann wird der dazu passende zweite Wert, also bei Blendenvorwahl die Zeit und bei Zeitvorwahl die Blende, mit Hilfe der Belichtungsanzeige der Kamera nachgeführt.

Ältere Kameras haben dazu im Sucher eingeblendete Zeiger (manchmal in Verbindung mit einer Kelle), die entweder auf Deckung stehen oder auf einen bestimmten Punkt (Nullstellung) zeigen müssen. Von diesen Sollwerten abweichende Stellungen des Zeigers weisen dann auf eine entsprechende Abweichung der Einstellung vom Messergebnis (wir kommen der Sache schon näher) hin.

Die Stellung der Kelle zeigt an, dass die Blende auf den Wert 5.6 gestellt wurde.
Die Stellung der Nadel zeigt, dass das bei diesem Motiv und der eingestellten Belichtungszeit (die hier im Sucher nicht angezeigt wird) zu einer Überbelichtung um etwa 2 Stufen führen würde (Stufen bedeutet Blendenwerte, Zeitstufen oder Lichtwerte; ich werde im Folgenden meist der Einfachheit halber von Blendenstufen sprechen bzw. schreiben).

Sollte es sich um ein unproblematisches Bildmotiv handeln, das keine Korrektur des Messergebnisses erfordert, würde eine solche Einstellung mit Abweichung zu einer Über- oder Unterbelichtung führen. Falls es sich aber z. B. um den weiter unten erwähnten Hasen im Schnee handelt, wäre eine Abweichung um etwa 2 Blendenwerte (bzw. Lichtwerte) nach oben – in Plusrichtung – richtig, damit der Schnee weiß und nicht grau wiedergegeben wird.
Kelle und Zeiger werden Sie an modernen Kameras nicht mehr finden, hier ist das Messergebnis an unterschiedlich aufgebauten elektronischen Anzeigen abzulesen.
Moderne Kameras haben Plus/Minus-Anzeigen, oft per LCD oder LED dargestellt. Im einfachsten Fall gibt es dazu nur eine "Lichtampel", deren (mittlere) Anzeige dann grün aufleuchtet, wenn die Belichtungseinstellung dem Messergebnis entspricht. Da man hier die Stärke der Abweichung vom Soll-Wert nicht direkt sehen kann, ist es schwieriger, die Anzeige einzuschätzen und in eine direkte Korrektur umzusetzen

Der Zahlenwert im Display unten rechts zeigt, dass zurzeit Blende 2.8 eingestellt ist. In Verbindung mit der links angezeigten eingestellten Belichtungszeit von 1/500 Sekunde würde dieses Motiv um 2 Blenden überbelichtet. Das zeigt die "+2" im oberen linken Bereich des Suchers an.

Bei vielen kompakten digitalen Sucherkameras wird die Abweichung vom Sollwert auf dem Display durch Zahlenwerte angezeigt, die von "–2" bis "+2" reichen. Noch stärkere Abweichungen signalisieren diese Kameras meist über blinkende oder rot gefärbte Zahlenwerte.

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Im günstigsten Fall verfügt die Kamera über eine Lichtwaage , die die Abweichung vom richtigen Wert nicht nur in Zahlenwerten, sondern auch in Form einer Skala darstellt. Meist werden solche Skalen bei den Spiegelreflexkameras (analogen und digitalen Modellen) im Sucher eingeblendet, bei einigen digitalen Sucherkameras sind sie im Display sichtbar. Diese Skalen sind für viele Menschen anschaulicher.

Die Zahlenwerte links zeigen uns, dass die Kamera auf eine Belichtungszeit von 1/500 Sekunde und einen Blendenwert von 5.6 eingestellt ist. Der Belichtungsmesser der Kamera hält diese Einstellung für richtig, deshalb zeigt die Markierung unterhalb der Skala auf den Nullwert.

Wenn Sie nun die Belichtung auf eine dieser Arten gemessen und eingestellt haben, haben Sie nichts anderes gemacht, als was die Kamera evtl. auch automatisch machen kann.
Trotzdem ist es sinnvoll, sich die Mühe zu machen, die Kamera manuell zu steuern. Es kann nämlich zu je nach Motiv unterschiedlichen "Fehlmessungen" kommen. Das Wort steht in Anführungszeichen, weil der Belichtungsmesser seine Sache ja eigentlich ganz richtig macht. Der Fehler liegt, je nach Sicht, entweder schon vorher in den Voraussetzungen, auf denen sich die Messung begründet, oder er liegt erst nach der Messung in der falschen Interpretation der Messergebnisse. Das folgende Beispiel soll das Problem verdeutlichen.

Problemfall
Wenn Sie einen Schornsteinfeger vor einem Kohlenhaufen fotografieren, haben sie ein Motiv schwarz in schwarz. Je nachdem wie hell die Beleuchtung ist, reflektiert dieses Motiv viel oder wenig Licht zum Belichtungsmesser.
Wenn der Schornsteinfeger in der Sonne steht, schickt er evtl. genau die gleiche Lichtintensität zum Belichtungsmesser , wie es ein weißer Hase im Schnee in der Dämmerung täte.
Für Ihren Belichtungsmesser sind dadurch beide Motive unterschiedslos gleich hell, er würde logischerweise für beide Situationen die gleiche Zeit/Blendenkombination empfehlen. Er kann das Motiv selber ja nicht erkennen und weiß deshalb nicht, ob Sie ein helles Motiv bei wenig Licht oder ein dunkles Motiv bei viel Licht fotografieren wollen.
Um trotzdem für möglichst viele Situationen ein gutes Messergebnis zu erhalten, hat man sich darauf geeinigt, die Belichtungsmesser auf ein durchschnittliches Motiv hin anzupassen. Die Geräte für die Objektmessung sind deshalb so geeicht, dass ihre Angaben immer für ein "mittelhelles" Motiv mit 18 Prozent Reflexion des auffallenden Lichtes stimmen. (Diese 18 Prozent entsprechen in unserer Wahrnehmung einer mittleren Helligkeit.) Und damit sind sie für viele Aufnahmesitua tionen richtig geeicht, denn oftmals sind die Motive ja aus hellen und dunklen Bereichen zusammengesetzt.
In unserem Beispiel haben wir aber zwei Motive, die entweder überwiegend weiß oder schwarz sind. Die Messergebnisse für diese Motive beruhen aber trotzdem auf der Eichung auf mittlere Helligkeit. Der Belichtungsmesser gibt uns deshalb einen Wert, der zu einer Wiedergabe des Motivs in einer mittleren Helligkeit führen würde. Das wäre aber falsch, die Motive sollen ja ihrer tatsächlichen Erscheinung entsprechend entweder dunkel in dunkel oder hell in hell wiedergeben werden.

Anmerkung

Probieren Sie das doch einfach einmal selbst aus.
Nehmen Sie sich drei etwa DIN-A4-große Blätter Papier oder Pappe: eines in Weiß, eines in mittlerer Helligkeit (das könnte eine Graukarte sein, eine mittelhelle graue Pappe tut es aber auch) und eines in Schwarz.

Stellen Sie die Kamera in Automatik (Zeit-, Blenden- oder Programmautomatik ) und schalten Sie den Autofokus Ihrer Kamera ab, er würde im Folgenden sonst nur hilflos hin- und herfahren.

Legen Sie die graue Pappe an einem hellen Fenster auf einen Tisch oder bitten Sie einen Helfer, sie auf für Sie günstige Fotografierhöhe zu halten. Gehen Sie mit der Kamera und fest eingestellter Brennweite so nah an die Pappe, dass sie den Sucher vollständig ausfüllt. Vorsicht, Sie sollten keinen Schatten auf die Pappe werfen.

Nun machen Sie ein Foto von der Pappe.
Die Belichtungszeit ist relativ egal, auch wenn Sie verwackeln sollten. Es geht nur um die Helligkeit, nicht um eine scharfe Abbildung.
Wechseln Sie nach dem ersten Bild die graue Pappe gegen Weiß, machen Sie wieder ein Foto und wechseln Sie dann für das letzte Bild zu Schwarz.

Vergleichen Sie die Bilder.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben Sie drei fast identische Bilder mittlerer Helligkeit. In der Helligkeit weichen die Bilder (wenn überhaupt) deutlich geringer voneinander ab als die drei Pappen.
Sehen Sie sich auch die Abbildung "Golfball" weiter hinten an.

(Vorsicht, vergessen Sie nicht gegebenenfalls den Autofokus wieder zu aktivieren.)

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Richtig messen
Um auch solche vom mittelgrauen Idealfall abweichende Aufnahmen "richtig" zu belichten, gibt es verschiedene Methoden. Generell können wir davon ausgehen, dass wir, um den Hasen richtig abzubilden, die Belichtung verstärken (die Zeit verlängern oder die Blende öffnen oder die Empfindlichkeit erhöhen) müssen. Denn er soll ja später nicht grau, sondern weiß sein. Und das Gegenteil gilt für den Schornsteinfeger.
Mit etwas Erfahrung kann man eine solche Situation einschätzen und öffnet oder schließt die Blende direkt um eine oder zwei Stufen weiter, als der Belichtungsmesser vorschlägt (oder verändert die Zeit entsprechend).

Die Graukarte
Mit einer analogen Kamera gibt es keine direkte Rückmeldung über die Belichtung , wie es mit Displayanzeige und speziell Histogramm an einer Digitalkamera möglich ist. Wenn Sie mit einer anlogen Kamera nicht nur schätzen, sondern exakt wissen wollen, was Sie einstellen müssen, brauchen Sie zur Objektmessung ein Hilfsmittel, das dem entspricht, was der Belichtungsmesser zu "sehen" glaubt. Sie brauchen ein Objekt, das die erwarteten 18 Prozent des auffallenden Lichtes reflektiert.
Kodak und andere Anbieter verkaufen zu diesem Zweck sogenannte Graukarten.Diese müssen Sie in das gleiche Licht halten, welches das Motiv beleuchtet. Am besten gehen Sie, wenn möglich, mit Ihrer Kamera zum Motiv und messen dort die Graukarte an. Diese sollte das gesamte Sucherbild ausfüllen. (Sie müssen aber nicht scharf stellen).
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Achten Sie darauf, keinen Schatten auf die Graukarte zu werfen. Jetzt messen Sie die Belichtung , und mit diesem Wert können Sie dann Ihr Motiv fotografieren.
Auf diese Art wird eine mittlere Helligkeit mittelhell, Schwarz wird schwarz und Weiß wird weiß wiedergegeben. Und das ganz unabhängig davon, welche durchschnittliche Helligkeit das Motiv tatsächlich hat. Sie haben auf diesem Weg das Reflexionsvermögen des Motivs aus der Messung quasi herausgefiltert und nur die Intensität des Lichtes gemessen. (Eine solche Lichtmessung können Sie mit spezialisierten Belichtungsmessern auch direkt machen. Mehr dazu weiter hinter unter "Lichtmessung".)
Eine Graukarte stellt auch ein tolles Ziel für den manuellen Weißabgleich dar.

Anmerkung

Und wenn Sie einmal keine Graukarte zur Hand haben
Dann nehmen Sie Ihre Handinnenfläche zu Hilfe. Sie ist ziemlich exakt eine Blende heller als die Graukarte . Deshalb müssen Sie den gemessenen Wert noch korrigieren, also die Blende um einen Wert öffnen. Die Hand ist um eine Blende (oder eine Zeitstufe) heller als Neutralgrau. Also erhalten Sie den gleichen Wert, als würden Sie bei um eine Stufe hellerer Beleuchtung die Graukarte anmessen. Da es aber nicht heller ist, können Sie die Blende um einen Wert öffnen.
Mit der Zeit werden Sie noch andere Referenzobjekte finden. Messen Sie doch einmal eine grüne Wiese und vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrer Handflächen- oder Graukartenmessung. Das Grün verändert sich recht wenig in seiner Helligkeit, ist also bei der Belichtungsmessung ebenfalls ein gutes Referenzobjekt.

Manuelle Einstellung
Solange sich die Beleuchtung (oder Ihre Bildvorstellung) nicht ändert, können Sie mit dieser Belichtungseinstellung ohne Änderung fotografieren. Das kann dazu führen, dass Sie z. B. Landschaftsfotos mehrere Stunden lang mit den gleichen Einstellungen machen können.
Da die Belichtungseinstellung über einen längeren Zeitraum gleich bleiben kann bzw. ja sogar muss, spricht nichts gegen die vermeintlich "langsame" manuelle Einstellung der Belichtung . Im Gegenteil, es ist sogar von ausgesprochenem Vorteil, die Blenden- und Zeitwerte manuell einzustellen. Denn so kann man ganz einfach verhindern, dass die Belichtungsautomatik bei einer Änderung der durchschnittlichen Reflexion des Motivs, also z. B. bei einer Änderung von "hell in hell" zu "dunkel in dunkel", die dann geänderten (und somit falschen) Werte des Belichtungsmessers übernimmt. Die Messwerte müssten ja erst wieder angepasst werden, wenn die Beleuchtung sich ändert.
Bei automatischer Belichtung müsste man also in solchen gleichbleibend beleuchteten Situationen die Werte immer wieder auf Richtigkeit überprüfen und gegebenenfalls (wechselnde) Korrekturwerte eingeben. Die manuelle Belichtungseinstellung kann man dagegen bis zur Änderung der Beleuchtung einfach vergessen. Dass diese Vorteile der manuellen Belichtungseinstellung auch in "stressigen" hektischen Situationen greifen, verdeutlicht vielleicht ein Blick in die Filmdokumentation "Warphotographer". Hier wird über die Arbeit des Fotojournalisten James Nachtwey berichtet. Obwohl er in Kriegs- und Krisengebieten als Bildberichterstatter unterwegs ist, steht die Belichtungssteuerung auf "M".
Wenn Sie analog fotografieren, können Sie das Ergebnis der Belichtungsmessung nicht sofort überprüfen. Bei kniffligen Motiven auf Diamaterial ist es daher empfehlenswert, die Aufnahme mit unterschiedlichen Einstellungen zu wiederholen. Sie machen dazu am besten eine Belichtungsreihe (Bracketing ) mit etwa 2/3 Stufen Unterschied.
Der Kontrastumfang, den Farbnegativmaterial bewältigen kann, ist deutlich größer als der von Dias , und beim Vergrößern kann man die Helligkeit des Bildes noch einmal steuern. Der CN-Film reagiert deshalb nicht so empfindlich auf Belichtungsfehler, er kann sie zumindest in begrenztem Umfang ausgleichen.
Digitalkameras dagegen sind, ganz ähnlich wie Diafilm, Belichtungsmimosen
Ihr möglicher Kontrastumfang ist gering, und was nicht in diesen Kontrastumfang passt, wird gnadenlos Weiß oder Schwarz. Doch Digitalkameras bieten uns freundlicherweise einige sehr effektive Hilfsmittel zur Belichtungseinstellung (bzw. -überprüfung)

Belichtungseinstellung mit der Digitalkamera
Während Sie sich bei einer analogen Kamera nur auf die Ergebnisse des Belichtungsmessers und Ihre Erfahrung und Überlegungen verlassen müssen, ist die Nachführmessung in der digitalen Fotografie gerade bei komplizierten Motiven nur der erste Schritt zur Belichtungseinstellung.
Mit der durch die Displayanzeige, das Histogramm und die Anzeige der Bildbereiche mit Clipping sofort möglichen Überprüfung des Bildes kann die Belichtungseinstellung verfeinert und angepasst werden.
Sie haben dadurch die Möglichkeit, die Belichtung anhand eines "Testbildes" zu beurteilen. Die Wiedergabe auf dem Display ist dazu allerdings meistens nicht präzise genug. Je nach Blickwinkel und Umgebungshelligkeit wirkt das Foto heller oder dunkler. Stattdessen können Sie aber, sofern Ihre Kamera es anbietet, das Histogramm und die Clippinganzeige zurate ziehen. Die Clippinganzeige lässt die Bildbereiche, die strukturlos weiß würden, abwechselnd weiß und schwarz aufblinken. Bei einigen Kameras geht das auch für die strukturlos schwarzen Bildbereiche.
Letzteres ist aber nicht so wichtig, da der Betrachter sich mit tiefschwarzen Schatten durchaus anfreunden kann. Helle, eigentlich strukturierte Motivdetails, die im Bild reinweiß sind, stören dagegen meist. Wenn z. B. weiße Schönwetterwolken, die von der hinter dem Fotografen stehenden Sonne beleuchtet werden, wie weiße Lackfolie aussehen und keine Struktur mehr aufweisen, sieht das meist hässlich aus.

Durch den relativ großen Anteil der Hütte an der Bildfläche wird der Belichtungsmesser irritiert. Das führt zu einem helleren (zu hellen) Bild, die Wolken landen dadurch im "Clipping".

Und auch eine weiße Hausfassade sollte noch ihre Putzstruktur oder das weiße Brautkleid die Stickereien erahnen lassen und nicht wie eine weiße Plastikfläche aussehen.
Anders steht es z. B. mit einer geschlossenen Wolkendecke. Da ist die von der verdeckten Sonne durchschienene Bewölkung die für das ganze Bild wirksame Lichtquelle. Das Bild müsste viel zu dunkel werden, wollte man in diesen Wolken noch Strukturen erkennen können.

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Doch zurück zu Schönwetterwolke, Hausfassade und Brautkleid. Wenn diese auf dem Display blinkend angezeigt werden, müssen wir leider davon ausgehen, dass sie im Bild ohne jede Struktur weiß sein werden.
Dass die Struktur verloren geht, liegt daran, dass alle Helligkeiten , die oberhalb der oberen Grenze des Kontrastumfangs der Kamera liegen, unterschiedslos weiß wiedergegeben werden.
Wenn wir uns ein Histogramm des gesamten Kontrastumfangs des Motivs ansehen, so sind dann einzelne Helligkeitsbereiche außerhalb der Wiedergabemöglichkeiten. Diese werden auf das maximale Weiß, den Wert 255 (bzw. auf reines Schwarz, den Wert 0) reduziert.
Alles, was im Motiv heller war und eigentlich in den Werten 256, 257, 258 usw. wiedergegeben werden müsste, wird zum Wert 255 (Weiß).
Dadurch kommt es dort im Histogramm zu einer einzelnen Spitze, einem "Peak" (der unter "natürlichen" Umständen nicht zu erwarten wäre).

Alle Motivdetails, die dunkler als der Tonwert 1 sind, werden zum Wert 0, alle Motivteile, die heller als der Tonwert 254 sind, werden zu 255. Dadurch entstehen im Histogram die fürs "Clipping" charakterstischen "Peaks". Die entsprechenden Tonwerte unterscheiden sich nicht merh voneinander,sie bilden gleichförmige Flächen.
Das Gleiche passiert mit den Werten unterhalb von "1", dem letzten "Noch-nicht-Schwarz"; diese Bereiche werden alle zu "0".

Auch wenn die Kamera über keine spezielle Clippinganzeige verfügt, kann man an einem solchen Peak am rechten (oder linken) Histogramm -Ende mögliche Clippingprobleme erkennen.
Wenn Sie nun ein nicht zu starkes Kontrastproblem im Bereich der Lichter (der hellen Bildstellen)bemerken, so können Sie versuchen, das Bild etwas knapper zu belichten. Dazu können Sie in der manuellen Einstellung die Blende schließen oder die Belichtungszeit verkürzen.
In der Automatik würde das natürlich automatisch ausgeglichen, deshalb müssen Sie bei automatischer Belichtung den Korrekturwert in den Minusbereich setzen.
Dadurch werden natürlich nicht nur die Lichter, sondern auch alle anderen Helligkeiten im Bild gleichmäßig dunkler. Aber das ist kein Beinbruch. In der Bildbearbeitung können Sie später ganz einfach mit der Tonwertkorrektur bzw. mit den Gradationskurven die mittleren und unteren Töne anheben, ohne die Differenzierung in den Lichtern wieder zu verlieren.
Anmerkung

RAW -Klippen
Bei der JPEG -Erzeugung in der Kamera wird der Kontrast oft absichtlich "aufgesteilt". (Das ergibt "knackigere" Bilder.) Die RAW -Daten einer solchen Aufnahme haben dagegen meist nicht nur mehr Differenzierung, sondern auch einen höheren Kontrastumfang, den man durch nachträgliche Umwandlung mit einem guten RAW-Konverter retten kann.
Die RAW-Daten clippen also im Ergebnis nicht so schnell wie die Kamera-JPEGs.
Oft sind die Clippinganzeigen der Kameras aber auf solche JPEG – Dateien abgestimmt. Wenn man mit RAW fotografiert, hat man also womöglich noch etwas mehr Luft, als die Kamera anzeigt

Ein Kontrastproblem im Bereich der Tiefen ist in der Regel nicht so schlimm. Solche "clippenden" dunklen Bildpartien akzeptiert der Betrachter meist als zulaufende Schatten. Er kennt das ja aus seiner alltäglichen Wahrnehmung: Irgendwann ist es eben so dunkel, dass man nichts mehr erkennen kann.
Die Kamera kann hier nur den mittleren Bereich der Helligkeiten auf – zeichnen. Helligkeiten außerhalb des möglichen Kontrastbereiches werden auf zwei Spitzen (Peaks) links und rechts am Histogramm "eingedampft".
In den hellen Bereichen ist das dagegen anders. Wenn es sich nicht gerade um eine starke Lichtquelle handelt, kann man mit bloßem Auge meist auch in sehr hellen Bereichen der Umwelt noch etwas erkennen.
Aus diesem Grund muss der Fotograf die "übersteuernden" Lichter viel stärker berücksichtigen.

Die Methoden der Objektmessung
Es gibt mehrere Methoden der Objektmessung , u. a.

  • mittenbetonte Integralmessung
  • mittenbetonte Messung
  • Mehrfeld/Mehrzonenmessung
  • Spotmessung

Ich werde mich hier nur auf in die Kamera eingebaute Belichtungsmesser beziehen. Die Abschnitte zur Spotmessung und zur mittenbetonten Integralmessung sind jedoch auch auf Handbelichtungsmesser übertragbar.
Zur Objektmessung kommen mehrere Methoden zum Einsatz. Alle sollen die unterschiedlichen Probleme, die sich bei unüberlegtem Einsatz der Objektmessung ergeben können, lösen helfen.
Häufig ist zum Beispiel die Helligkeit im Bild ungleichmäßig verteilt.
So ist bei vielen Außenaufnahmen der Himmel dominant. Er nimmt weite Bereiche des Bildes ein und ist deutlich heller als die Landschaft.
Der Belichtungsmesser sieht also eine "zu helle" Szene. Wenn bei einer solchen Aufnahme die Angaben des Belichtungsmessers nicht korrigiert werden, ist das Ergebnis oft zu dunkel. (Dafür ist der Himmel gut zu erkennen; wenn es also um die Wolken ging, wäre das Ergebnis richtig.)

Die helle Figur hatte den Belichtungsmesser der Kamera irritiert. Er schlug eine zu knappe Belichtung vor, die ich dann von Hand um eine Blende reichlicher eingestellt habe, damit die Figur wirklich weiß wird.

Mittenbetonte Integralmessung
Um diesem "Fehler" (eigentlich macht der Belichtungsmesser keinen Fehler, er gibt ja die Werte korrekt an) vorzubeugen, hat man die mittenbetonte Integralmessung entwickelt.
Bei ihr werden die Helligkeiten im Bild unterschiedlich stark gemessen. Bereiche in der oberen Bildhälfte werden nicht so stark berücksichtigt wie die untere Bildhälfte. Das Zentrum wird stärker gewichtet als der Bildrand, weil die meisten Menschen das Hauptobjekt eines Fotos in der Bildmitte platzieren. (Das ist aus gestalterischen Gründen oft völlig verkehrt. Scheinbar haben aber viele Menschen die Befürchtung, dass ihnen das Motiv sonst aus dem Bild läuft.)

Kuh im Gras – kein Problem für die Integralmessung.

Durch diese schwächere Auswirkung des Himmels auf das Messergebnis wird eine stärkere Belichtung des Bildes erreicht, wodurch der Himmel zwar recht hell, dafür die Landschaft aber richtig wiedergegeben wird. Problematisch ist allerdings, dass diese Form der Korrektur natürlich entweder nur für Querformat oder Hochformat funktionieren kann.
Mittenbetonte Integralmessung


Mittenbetonte Messung
In vielen Kameras findet die mittenbetonte Messung Verwendung.
Bei ihr wird der zentrale Bereich des Bildes (etwa das innere Drittel) mit ca. 75 Prozent an der Belichtungsmessung gewichtet. Der Rest trägt zum Ergebnis nur etwa 25 Prozent bei. Auch diese Methode hat ihre Probleme, besonders dann, wenn das Hauptmotiv aus gestalterischen Gründen nicht in der Bildmitte ist. Oder wenn es nicht im Durchschnitt grau, sondern überwiegend schwarz oder weiß ist.

Mittenbetonte Messung


Mehrfeld-/Mehrzonenmessung
Mitte der 80er Jahre tauchten die ersten Kameras mit Mehrfeldmessung auf. Bei ihnen wird das Bild in verschiedene Bereiche eingeteilt, die je nach Kombination der Helligkeiten und der Kontraste zwischen den einzelnen Feldern die Belichtung errechnen. Diese Methoden sind oft sehr zuverlässig, doch wenn man ihre Ergebnisse interpretieren will, ist es schwierig, da man ja keine eindeutigen Messergebnisse mehr erhält, sondern nur Werte, die die Kameraelektronik bereits interpretiert hat.

Mehrfeld-/Mehrzonenmessung


Spotmessung
Die Spotmessung ist eine sehr zuverlässige und genaue Methode der Belichtungsmessung . Doch erfordert sie sehr viel Erfahrung.
Bei ihr wird nur ein kleiner Bereich in der Bildmitte gemessen. Wenn man den richtigen Punkt misst (evtl. eine Graukarte ), ist das Ergebnis sehr zuverlässig. Wenn jedoch das Ziel zu hell oder dunkel ist und man das Ergebnis nicht richtig interpretiert, hat man starke Fehlbelichtungen. Diese Messmethode ist nur für den erfahrenen Fotografen zu empfehlen

Spotmessung