Fragen zur Fotografie ...

Frage / Antwort


"Was heißt "Expose to the right""

Ein Kursteilnehmer fragt:

Hallo Tom!,
(...) Ich habe in der Zwischenzeit viel ausprobiert und gelesen und bin dabei über "Expose to the right!" gestolpert. Was ist damit gemeint?




Antwort:

Bei Expose to the right geht es um die begrenzte Fähigkeit der Digitalkameras, Helligkeiten aufzuzeichnen und welche Konsequenzen für die Belichtung sich daraus ergeben können.
Unsere Kameras haben nur einen eingeschränkten Aufnahmebereich, sie können nicht alle möglichen Helligkeiten gleichzeitig erkennen, sondern nur einen (von der Belichtung gesteuerten) Ausschnitt aus dem Helligkeitsspektrum. Alles was dunkler ist als der dunkelste Bereich, den der Sensor so noch erkennen kann, wird im Bild unterschiedslos Schwarz und alles, das heller ist als der hellste Bereich, den der Sensor als noch nicht Weiß erkennt, wird strukturlos Reinweiß werden (Weiß und Schwarz stehen hier im Sinne von maximaler Helligkeit).
Verteilung
Die Fähigkeit, Unterschiede in den Helligkeiten (und damit indirekt auch in den Farbtönen) zu sehen, ist in dem Bereich, den der Sensor erkennen kann, nicht gleichmässig verteilt. In den hellsten Bereich kann der Sensor die meisten Abstufungen erkennen, viel mehr als in den dunklen Bereichen.
Jedesmal, wenn von dem hellsten Bereich ausgehend die Helligkeit halbiert wird (ein EV, eine Blendenstufe dunkler) steht nur noch die Hälfte der Abstufungen zu Verfügungen. Wenn eine Kamera 12bit Farbtiefe differenzieren kann (2^12 = 4096 Stufen) sieht das dann also so aus:
  • Höchste Helligkeitsstufe: 2048 verschiedene Abstufungen
  • 2. höchste Helligkeitsstufe: 1024
  • 3. höchste Helligkeitsstufe: 512
  • 4. höchste Helligkeitsstufe: 256
  • 5. höchste Helligkeitsstufe: 128
  • 6. höchste Helligkeitsstufe: 64
  • 7. höchste Helligkeitsstufe: 32
  • ...
Konsequenz
Das in den unteren Bereiche des Helligkeitsspektrums nur noch so wenige Differenzierungen zur Verfügung stehen, ist der Grund, weshalb man bei Bildern, bei denen es auf maximale Qualität ankommt (und bei denen der evtl. nötige Aufwand der Nachbearbeitung durch die zu erwartenden Qualität wieder ausgeglichen wird) die Belichtung recht weit nach rechts ("to the right", also in Richtung heller) verschieben sollte, auch wenn die Vorlage und das später gewünschte Ergebnis später (z.B. als LOW-Key Bild) dunkel in dunkel sein soll. Das Histogramm wird dadurch nach rechts verschoben.
Es stehen dann für die differenzierte Darstellung der dunklen Bereich die vielen durch reichliche die Belichtung ursprünglich hellen Abstufungen zur Verfügung, die bei der Aufnahme erzeugt wurden. Das ist gerade auch für Landschaftsfotografen ein wichtiges Thema.
Aber es gibt dabei ein Problem, die bildwichtigen Bereiche dürfen nicht zu hell werden, sonst verliert man dort die Zeichnung ins reine Weiß.
Die beiden Gebote für die Belichtung könnten also lauten:
1) Du sollst nicht clippen!
2) Expose to the right! (Aber dabei immer das erste Gebot beachten)

Natürlich ist für ein präzises Ausnutzen der Möglichkeiten des Sensors eine präzise Kontrollmöglichkeit wichtig. Die üblichen Histogramme und Clippinganzeigen taugen dazu nur bedingt. In meinem Blog habe ich dazu einen Beitrag veröffentlicht.

Mehr zu diesem Thema gibt es in dem schon 2003 verfassten Text auf Luminous Landscapes.

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